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Bundesregierung informiert: Aus dem Erinnern eine Botschaft entwickeln

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Brückepreis 2018 für Daniel Libeskind

Aus dem Erinnern eine Botschaft entwickeln

Der Internationale Brückepreis geht in diesem Jahr an den amerikanischen Stararchitekten Daniel Libeskind.
In ihrerLaudatio bei der Preisverleihung im Theater Görlitz dankte ihm Kulturstaatsministerin Grüttersfür
seine “Unermüdlichkeit als grandioserBrückenbauer”.

Mit Daniel Libeskind hat heute erstmals ein Architekt den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz
-Zgorzelec 2018 erhalten. Libeskindhabe immer wieder Themen aufgegriffen, die “die Abgründe der
Weltgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert aufzeigen und den Betrachter zu der Einsicht führten, dass so etwas
nie wieder passieren darf”, hieß es in derJurybegründung.

Seit 1993 würdigt die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreisesmit der Auszeichnung
Persönlichkeiten, die im besonderem Maße der Idee eines friedlichen, freiheitlichen und ganzheitlichen
Europas verbunden sind und sich mit ihrem Lebenswerk um die Völkerverständigung in Europa verdient gemacht
haben. Zu den bisherigenPreisträgern zählen unter anderen EU-Kommissionschef Jean-Claude Junckerund der Boxer
Vitali Klitschko. Der Preis wird jährlich verliehen und ist mit 2.500 Euro dotiert.

Brücken jenseits von Stein und Stahl

Libeskind war extra aus New York eingeflogen, um den Preis persönlich im GörlitzerTheater entgegen zu nehmen.
Kulturstaatsministerin Grütters würdigte den 71-Jährigen Professor in ihrer Laudatioals Architekt, der sich
vortrefflich auf das “Bauen von Brücken im übertragenen Sinne” verstehe. Vor allem mit dem Jüdischen Museum
in Berlin sei es ihm gelungen, “eine Brücke über denfurchtbarenAbgrund der Menschheitsgeschichte zu bauen,
den dieShoah gerissen hat. Wir erhalten einen erschütternden Einblick in die Dimension und die Folgen der
grausamen Verbrechen, die unter nationalsozialistischer Herrschaft von Deutschland ausgingen”, erklärte
Grütters.

Der Museumsentwurfsei zudem eine Brücke in das vielfältige jüdische Leben in Deutschland vor der
Katastrophe, fuhr dieStaatsministerin fort. “Sie schufen aber auch schmale Fenster – mal senkrecht, mal
waagerecht,mal schräg -, die Ausblicke auf die Welt ringsherumermöglichen, deren Zukunft wir selbst
bestimmen. Dies ist wahreBrückenbaukunst, mit der Sie auch persönlich in Ihrem Leben eine Brücke nach Berlin
und in ein neues Kapitel Ihrer beeindruckenden Karriere schlugen.”

“Auf Dich kommt es an”

Neben dem Jüdischen Museum, das als Durchbruch in seiner Karriere gilt, zeichnet Libeskindauch für das Felix-
Nussbaum-Museum in Osnabrück und das MilitärhistorischeMuseum in Dresden verantwortlich. Hier zeige sich
ebenfalls sein “feines Gespür dafür, wie sich die Abgründe der Menschheitsgeschichte durch Architektur
vermitteln lassen”, betonteGrütters. “Der Keil mitten durch das klassizistischeGebäude wirkt geradezu brutal
und lässt sich als Symbol für die Brutalität lesen, mit der Krieg und Gewalt ins Leben der Menschen
einschlagen. IhrunbändigerWille, aus dem Erinnern eine Botschaft zu entwickeln – die Botschaft, Trennendes zu
überwinden, ohne geschehenes Unrecht zu überdecken – dies macht Ihre große Kunst aus, für die Sie weltweit
enorm viel Anerkennung genießen.”

In all seinen Entwürfen finden sich Hinweise auf Schlüsselwörter oder -ereignisse, die Libeskindmit dem
geplanten Bauwerk verbinden, so dieStaatsministerin. “Zugleich lassen Sie grundlegende Überlegungen zu
nachhaltiger Lebensgestaltung, sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Bürgerbeteiligungeinfließen. Sie
wurden daher schon als ‘Alchemist unter den Architekten’ oder ‘Philosoph der Baukunst’ bezeichnet. Ich nehme
Sie aber auch als politischen Architekten wahr: Sie vermitteln den Betrachtern und Nutzern Ihrer Gebäude eine
Botschaft, die da lautet: Auf Dich kommt es an, wann immer Menschlichkeit gefährdet ist.”

Demokratie als ständiges Experiment

Vor dem Hintergrund der erstarkenden nationalistischen Bewegungen in Europa verwies Grüttersauf ein Zitat des
Preisträgers, in dem es heißt: “Die Demokratie selbst stellt eines der größten Risiken dar – als ständiges
Experiment, bei dem viel von der Mitwirkung des Einzelnen abhängt.”

Eben weil es falsch sei anzunehmen, dass “das Beharren auf den eigenen Standpunkt erfolgreicher ist als das
zähe Ringen nach gemeinsamen Lösungen” dankteGrütters all denjenigen, “die gegen Pegidaauf die Straße
gegangen sind; die sich Zeit nehmen, umHasskommentaren im Internet etwas entgegenzusetzen, vor allem Fakten
und Argumente sowie denjenigen, die in engagierten Projekten, Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen
Positionen dazu bringen, miteinander zu reden.”

Europastadt Görlitz-Zgorzelec

Wie es gelingen kann, dass Verbindende über das Trennende zu stellen, zeige auch Görlitz selbst, erklärte
Grütters mit Blick auf die Europastadt. Nach dem Ende des Kommunismus, “der selbst zwischen so genannten
Bruderländern schwer überwindbare Grenzen hervorbrachte”, hätten sich Görlitz auf deutscher Seite und
Zgorzelec auf der polnischen wieder einander angenähert.

1998 hatten die Bürgermeister beider Städte eine Proklamation der Zusammengehörigkeit unterzeichnet. Darin
heißt es: “Mit ihrergelebtenPartnerschaft wollen beide Städte ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung eines
vereinigten Europas der Regionen setzen.” Dies war 1998, also vor PolensEU-Beitritt und damit ein
“Versprechen der gemeinsamen europäischen Zukunft”, erklärte dieKulturstaatsministerin weiter.

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